02.07.2015

Wo kommen eigentlich die Fahrlehrer her?

Fahrschulen gibt es gefühlt an jeder Ecke. Aber wo werden Fahrlehrer ausgebildet? Und wer wird Fahrlehrer – angesichts eines nicht nur wegen der Arbeitszeiten nicht immer positiven Berufsbildes?
Und dennoch: Gute Fahrlehrer sind extrem gesucht. Zugangsvoraussetzung ist das Abitur oder eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Das BZ Bildungszentrum in Tönisvorst betreibt die einzige tätige Fahrlehrer-Akademie am Linken Niederrhein. Wir sprachen mit zwei ihrer Absolventen, deren Weg auf den Beifahrersitz unterschiedlicher nicht sein konnte. Was sie vereint: Beide sind absolut begeistert von ihrem jetzigen Beruf.

Michael Würde (43) war Kfz-Mechaniker, als ein schwerer unverschuldeter Verkehrsunfall ihn buchstäblich aus der Bahn warf. Drei Monate Krankenhaus. Die Ärzte machten ihm klar: »Schwere körperliche Arbeit ist nicht mehr.«
Er hatte selbst schon einmal mit dem Fahrlehrerbesuch geliebäugelt, die die hohen Kosten für die Ausbildung hatten ihn abgeschreckt. Als er nach der Reha zusammen mit den Beratern der Rentenversicherung über Alternativen zum Mechaniker nachdachte, wollten die ihn zuerst zum Autoverkäufer machen. »Ich wusste: Das ist nicht meins. Aber vom Auto weg wollte ich auch nicht.«
So kam man zum Fahrlehrerberuf, heute ist er angestellt bei der Filiale Wachtendonk vom BZdrive.

Sein Fazit: »Der Job ist absolut genial. Ich bedauere, das nicht schon eher gemacht zu haben.« Der ständige Kontakt mit Menschen, die vielfältigen Anforderungen haben ihm auch geholfen, in ein normales Leben zurück zu finden. Nach dem schweren Unfall war er neben den körperlichen Beeinträchtigungen auch von Erinnerungslücken geplagt. Die sind weg. »Und wenn man dann noch merkt, dass man bei den Schülern gut ankommt, macht es richtig Spaß.«
Jetzt begannen die Kurse der Ferienfahrschule, und seine Vorfreude darauf war riesig. Nur mit seiner Frau bekommt er schon mal Ärger – wegen der Arbeitszeiten. Oft geht es morgens um halb 7 los, und bei Nachtfahrten kann es schon mal nach Mitternacht werden. Trotzdem sagt Michael Würde: »Das ist genau meins!«

Bei Christopher Grundmann (50) ist die Klientel etwas älter – er unterrichtet hauptsächlich angehende Lastwagenfahrer – und sein Weg in den Fahrlehrerberuf verlief ziemlich im Zickzack. Nach einer Zimmermannslehre holte er das Fach-Abitur nach, begann danach ein Studium. »Doch das scheiterte an der Wirtschaftspolitik«, erinnert er sich heute lachend. Er ließ sich zum Holztechniker ausbilden, machte sich selbständig, zuerst im Baugewerbe, dann mit Kleintransporten. Es folgten Jahre als Handwerker und als Lkw-Fahrer in den Niederlanden, und eines Tages landete er bei der Agentur für Arbeit.

Aufgrund seiner bereits vorhandenen Führerscheine übernahm die Agentur die Fahrlehrer-Ausbildung, und seit dem ersten Juli ist er beim BZ Bildungszentrum fest angestellt. Über seine Fahrschüler weiß er: »Die können alle eigentlich Auto fahren, aber sie müssen auf die Größe umdenken. Und sie haben schon mal ihre eigene Meinung.«  Damit kommt Christopher Grundmann aber gut zurecht: »Ich komme mit den Älteren besser klar. Da kann man schon mal auf den Tisch hauen. Und ich muss den Leuten viel mehr vertrauen; beim Pkw bin ich immer Herr der Lage …«

Zurzeit betreut er acht Fahrschüler. Was ihm an seiner jetzigen Tätigkeit besonders gut gefällt: »Ich komm viel raus,« und wenn es nur Fahrübungen auf dem riesigen BZ Bildungszentrum-Firmengelände am Tempelsweg in St.Tönis sind.

Den Absolventen Christopher Grundmann hat das BZ Bildungszentrum für sich behalten, aber Vertriebsleiter Bernd Rütten weiß: »Wer diese Scheine hat, hat beste Berufsaussichten. Es gibt zwar viele Fahrschulen, aber nur wenige gute Fahrlehrer.« Woran das liegt? Die Ausbildung ist anspruchsvoll, die Prüfung ebenso, aber das ist nicht alles: »Zu dem ganzen Wissen gehört auch noch eine gefestigte Persönlichkeit.«

 

Links Michael Würde, rechts Christopher Grundmann;
in der Mitte BZ Bildungszentrum-Vertriebsleiter Bernd Rütten.


BZ Bildungszentrum – Kontakt

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